Traditionelles Handwerk Ranzenstickerei

Tradition und Brauchtum haben bei uns im Zillertal einen hohen Stellenwert. Neben Veranstaltungen wie den Almabtrieben oder dem alljährlichen Gauder-Fest und Bräuchen wie dem Neujahrswunsch der Perchten (verkleidete und maskierte Bewohner), beherbergt das Zillertal auch einige traditionelle Handwerksbetriebe.

Wenn das Wetter im Sommer mal nicht mitspielt und man trotzdem mit der Familie oder auch alleine etwas unternehmen möchte, bietet sich die Möglichkeit diese Betriebe zu besuchen. Von Trachtenschneiderei über Orgelbau bis hin zur Krippenschnitzerei ist die Auswahl groß. Ich möchte euch heute allerdings ein Handwerk vorstellen, das seit dem 17. Jahrhundert hier im Land bekannt ist und nur noch in 4-5 Betrieben österreichweit ausgeführt wird: die Ranzenstickerei, beziehungsweise Federkielstickerei.

Bei der Familie Stiegler in Stumm wird dieses Brauchtum nun schon in der sechsten Generation ausgeübt. Fritz und sein Sohn Alexander stellen gemeinsam viele unterschiedliche Produkte her. Neben den Klassikern wie Gürtel und Hosenträger, werden auch Taschen, Schuhe, Glockenriemen für Kühe und Ziffernblätter für Uhren mit der Ranzenstickerei verziert.Eine richtige Ausbildung oder Meisterprüfung gibt es nicht, die einzige Voraussetzung um den Beruf selbstständig ausüben zu können, ist ein Lehrabschluss. In dem Fall sind Vater und Sohn eigentlich gelernter Konditor und ausgebildeter Zimmermann. Das Handwerk wird direkt von Generation zu Generation weitergegeben. Der Zillertaler Ranzen ist das am häufigsten hergestellte Produkt des Betriebs. Dabei handelt es sich um einen Gürtel für die Trachten der Musiker, Schützen und Trachtenvereine. Die Mitglieder lassen sich die Gürtel nach ihren speziellen Wünschen fertigen, das dauert dann im Normalfall 50 bis 70 Stunden.

Kuhglocken Stickerei - Ranzenstickerei

Und wie kann man sich jetzt diese Ranzenstickerei vorstellen?

Die Materialien sind gleich gefunden – Rindsleder und Pfauenfedern werden zu den auffälligen Gürteln verarbeitet. Heutzutage werden oft Plastikkiele verwendet, diese halten aber nicht so gut und brechen leicht. Hier im Zillertal wird mit richtigen Pfauenkielen gearbeitet, denen vorher die Federn entfernt wurden. Die Kiele werden mit einem Messer gespalten und können dann mit einer sogenannten Ahle, einem Werkzeug zum Stechen von Löchern, durch die vorgegebenen Löcher des Musters gezogen werden. Die Vorlage für den Ranzen wurde vorher auf Pergament aufgezeichnet und anschließend mit weißem Pauspapier auf das Leder übernommen. So entsteht Schritt für Schritt ein Unikat, das innerhalb der Familie weitergegeben wird. Auch mein Sohn Stefan, der bei den Schützen ist, besitzt einen solchen Ranzen.

Falls ihr jetzt neugierig geworden seid könnt ihr euch gerne weiter auf der Homepage von Familie Stiegler schlau machen und vielleicht beim nächsten Urlaub im THERESA auch einmal im Betrieb vorbei schauen.

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